Threads & Toxins: Mikroplastik
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Wer in seinen Kleiderschrank schaut, hält mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Stück Erdöl in der Hand. Synthetische Fasern machten 2024 rund 69 Prozent der weltweiten Faserproduktion aus, allein Polyester kam auf 59 Prozent. Damit ist der Anteil in den letzten Jahren sogar weiter gestiegen. Für Kunststofffasern wie Polyester, Nylon oder Polyacryl werden jedes Jahr gewaltige Mengen Rohöl verarbeitet. Die Ellen MacArthur Foundation beziffert den Verbrauch auf rund 342 Millionen Fass pro Jahr.
Das ist aus mehreren Gründen problematisch. Die Herstellung erdölbasierter Rohstoffe ist sehr energieintensiv und verursacht erhebliche CO2-Emissionen. Dazu kommen Chemikalien, die in der Produktion zum Einsatz kommen und die Umwelt belasten können. Hinzu kommt, dass Kleidung aus Kunststofffasern praktisch nicht abbaubar ist. Auch wenn wir ein Kleidungsstück längst entsorgt haben, bleibt das Material noch viele Jahre in der Umwelt und kann dort Schaden anrichten.
Besonders unberechenbar ist das Mikroplastik. Beim Tragen und vor allem beim Waschen lösen sich winzige Faserteilchen, die mit dem Abwasser in Gewässer und Böden gelangen und schliesslich in der Nahrungskette landen. Eine einzige Ladung Polyesterwäsche kann rund 700'000 Mikrofasern freisetzen. Insgesamt gelangen beim Waschen synthetischer Textilien jährlich etwa eine halbe Million Tonnen Mikrofasern in die Meere. Kein Wunder also, dass Textilien zu den grössten Verursachern gehören: Schätzungen zufolge stammen 35 Prozent des Mikroplastiks, das im Meer landet, von synthetischer Kleidung und Textilien.
Die gute Nachricht ist, dass du selbst einiges tun kannst!
Am einfachsten ist es, Naturfasern zu bevorzugen, denn die Etikette verrät dir, woraus ein Kleidungsstück besteht. Wasche ausserdem nur so oft wie wirklich nötig. Manche Stücke werden auch durch gutes Auslüften wieder frisch. Das meiste Mikroplastik wird beim ersten Waschgang freigesetzt. Wähle deshalb eine möglichst niedrige Temperatur und ein kurzes Programm, das verringert die Faserabgabe auch bei den folgenden Wäschen. Auf Weichspüler solltest du verzichten, weil er noch mehr Fasern aus dem Gewebe löst. Und wenn du synthetische Kleidung besitzt, gehört sie in einen handelsüblichen Waschsack. Er wirkt wie ein Filter und hält einen grossen Teil der Fasern zurück.
Referenzen:
Materials Market Report 2025, Textile Exchange
Ellen MacArthur Foundation 2017
Universität Plymouth
IUCN-Studie 2017
Wired: Can the Fashion Industry Kick Its Plastic Addiction?